Karlspreis-Verleihung in Aachen

Der Kampf um Freiheit und Demokratie in Belarus

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Der diesjährige Karlspreis ging an die Aktivistinnen Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo aus Belarus, die sich für Demokratie und Freiheit in ihrem Land mutig eingesetzt haben. ICOM Deutschland freut sich über dieses wichtige Signal der Solidarität und die Auszeichnung eines außerordentlichen gesellschaftlichen Engagements.

Es sind diese drei Frauen gewesen und mit ihnen eine stetig zugenommene Solidargemeinschaft in Belarus, die für die Demokratie in ihrem Land gekämpft haben, einem Land, das in einer militanten Diktatur gefangen ist. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens haben sie sich für Gerechtigkeit und freie Meinungsäußerung eingesetzt und nicht beirren lassen und lassen sich bis heute nicht beirren oder aufhalten.

Bereits Anfang 2021 erhielten wir bei ICOM Deutschland Hilferufe aus Belarus, weil u.a. auch unsere Museumskolleg*innen in Bedrängnis gerieten, sie sich mit einer Entlassungswelle unter dem diktatorischen Regime Lukaschenkos bis hin zu Verfolgung und mutwilligen Gefängnisstrafen konfrontiert sahen. Viele von ihnen mussten und konnten ins Ausland fliehen. Wir haben am 11. März 2021 ihren Aufruf zur Solidarität geteilt und kommentiert sowie Kolleg*innen unmittelbar vermittelnd geholfen.

Die drei jetzt ausgezeichneten Aktivistinnen hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock als die „mutigsten Frauen Europas“ gewürdigt und in der Begründung der Jury zum Europäischen Karlspreis hieß es, dass sie „dem Diktator von Belarus die Stirn geboten haben; drei herausragende Persönlichkeiten, die für das eintreten, was den Kern des europäischen Projektes ausmacht: Menschenrechte, Frieden und Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Solidarität. Mit ihrem entschiedenen und furchtlosen Einsatz sind die drei belarussischen Leitfiguren zu einem wichtigen Vorbild für den demokratischen Freiheitskampf nicht nur für hunderttausende Landsleute, sondern weit über die belarussische Grenze hinaus geworden.“

Belarus steht unter dem unmittelbaren Einfluss Russlands und bedient sich dessen Ideologie. Ihr Präsident übt als Diktator jedwede Repression und Verfolgung aus. Die Ukraine, die in ihren noch jungen demokratischen Grundfesten durch die russische Invasion erschüttert wird, sieht sich wie Belarus den geostrategischen Interessen Putins ausgeliefert. Durch Repression, Propaganda, Fake News sowie Tötung, Folter, Vergewaltigung, Verschleppung und Auslöschung von kulturellen Stätten und Kulturgütern sollen eine neue pro-russische Geschichte geschrieben und historische Kontexte in Belarus und der Ukraine ausradiert werden. Dies darf nicht gelingen und deshalb bedarf es langanhaltenden Engagements und großer Solidarität aller europäischen Staaten.

ICOM Deutschland ist durch die Staatsministerin für Kultur und Medien mit der Koordinierung zur Rettung des Kulturguts in der Ukraine beauftragt und setzt sich umfassend mit zahlreichen nationalen und internationalen Netzwerken und Organisationen für Hilfsmaßnahmen ein. Allein in den vergangenen zwei Monaten wurden mehrere Transporte mit Hilfsgütern koordiniert und Unterstützung bei der digitalen Dokumentation von Kulturschätzen geleistet. Es gilt neben den Kulturgütern und der Kunst auch das immaterielle Kulturgut der Ukraine zu sichern und lebendig zu halten, da diese die nationale Identität stärken.

Wir sehen an den drei Aktivistinnen aus Belarus, die mittlerweile außerhalb ihres Landes leben bzw. inhaftiert sind, dass diese Ideale und der Kampf um Gerechtigkeit, Demokratie und Leben in Freiheit eines unermüdlichen Einsatzes bedürfen und der unverbrüchlichen europäischen Solidarität.

Beate Reifenscheid
Präsidentin ICOM Deutschland

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