Bericht über das Programm von ICOM DESIGN auf der 27. ICOM General Conference

14. April 2026
Bericht über das Programm von ICOM DESIGN auf der 27. ICOM General Conference

Dr. Anika Reineke, Vorstandsmitglied ICOM DESIGN 2019–2025

Auf der 27. Generalkonferenz von ICOM in Dubai haben sich auch im Jahr 2025 wieder mehr als 4.000 Menschen aus dem Museumsbereich getroffen und unter dem Motto „The Future of Museums in Rapidly Changing Communities“ vernetzt. Auch das Internationale Komitee ICOM DESIGN (ehemals ICOM ICDAD) für Museen und Sammlungen der angewandten Kunst und des Designs, lud seine Mitglieder ein, in insgesamt drei Sektionen Vorträge rund um das Thema „Adornment and Identity“ zu präsentieren. Die Sektionen befassten sich mit Verzierungen in der angewandten Kunst als Mittel zum Ausdruck von Identität, Erbe und sozialer Zugehörigkeit. Sie untersuchten, wie diese Praktiken über Kulturen und Zeiten hinweg fortbestehen, sich anpassen und Bedeutung vermitteln. Jede der drei Sektionen fand in Kooperation mit einem anderen internationalen Komitee statt – eine Tradition, die immer wieder zu interessantem Austausch zwischen den Mitgliedern führt.

Die erste Sektion A-10 am 12. November 2025 war eine Kooperation zwischen ICOM DESIGN und ICOM GLASS und wurde von Melissa Rinne, Kyoto National Museum und Denise Hagströmer, National Museum of Art, Architecture and Design in Oslo, präsentiert, respektive Vorsitzende und Vorstandsmitglied von ICOM DESIGN.

Mihaela Grigorean vom Satu Mare County Museum in Rumänien, Mariangels Fondevila vom Museu Nacional d’Art de Catalunya in Spanien, Diletta Haberl von der Universität L’Aquila in Italien und Sakshi Kukreti, freie Kuratorin aus New Delhi in Indien präsentierten vier Beiträge, die die Kunst der Verzierung als kraftvollen Ausdruck persönlicher, sozialer und kultureller Identität untersuchten. Mihaela Grigorean etwa stellte dar, wie die aufwändig geflochtenen und gestickten Brautkränze aus der Region Oaș bis heute als Mittel zur Identitätsrekonstruktion genutzt werden. Diletta Haberl stellte die wenig bekannte deutsch-italienische Textilkünstlerin Herta Ottolenghi Wedekind vor, die in den 1920er Jahren mit abstrakten, rorschachähnlichen Motiven das Kunstgewerbe erneuerte. Abschließend stellte Salehvand Navid vom Iranischen Glas- und Keramikmuseum in Teheran in seiner Keynote-Präsentation neueste Forschung rund um mehrere Glasobjekte aus der Museumssammlung vor sowie Fragen der musealen Präsentation von Forschungsergebnissen und Fälschungen.

Vortrag von Anika Reineke in der Sektion B-7 „Adornment and Identity in Spatial Design and Objects von ICOM DESIGN und ICOM DEMHIST, Foto: ICOM DESIGN

Es folgte die Session B-7, eine Kooperation zwischen ICOM DESIGN und DEMHIST, die Dekoration in Wohnräumen als Form des persönlichen Ausdrucks und der kulturellen Identität befasste, moderiert von Alexander Belousev (Peterhof Museum, St. Petersburg), Timna Seligman (Ticho House, Jerusalem) und Milja Stijovic (Yugoslav Film Archive, Belgrad) vom DEMHIST-Vorstand und erneut Denise Hagströmer. Arianna Vallarino vom Museo della Ceramica di Savona and Casa Museo Jorn in Albissola Marina, Brianna Brinkley vo Sant’Orsola in Florenz, Nicole Van Dijk von der Stichting Wijkcollectie in Rotterdam, Melissa Rinne vom Kyoto National Museum und Anika Reineke von den Kunstsammlungen Chemnitz stellten Beispiele vor, in denen Verzierungen bzw. das Verzieren Teil von Sammlungen und Museen bilden. Arianna Vallarino stellte Asger Jorns Arbeiten im Kreise seiner Familie, Schülerinnen und Schülern in seinem Haus in Albissola Marina vor und wie diese Netzwerke sein Arbeiten beeinflussten. Melissa Rinne sprach über einen Vorhang, der im 19. Jahrhundert aus einem japanischen Gewebe für den Palacio di Ajuda in Lissabon hergestellt wurde und wie die asiatischen Motive sich mit dem Repräsentationsbedürfnis des portugiesischen Königshauses verbanden.

Podiumsdiskussion mit fünf Personen auf einer Bühne vor zwei Bildschirmen mit dem Logo und Schriftzug 'ICOM Dubai 2025', eine Frau am Rednerpult und zwei weitere Frauen stehen seitlich auf der Bühne
Die Teilnehmenden und die Moderatorinnen der Sektion A-10 von ICOM DESIGN und ICOM GLASS während der Abschlussdiskussion, Foto: ICOM DESIGN

Am 13. November folgte C-7, eine Kooperation zwischen DESIGN und COSTUME. In dieser Sektion lag der Fokus auf Verzierungen als Ausdruck von Identität mittels Textilien, Schmuck und Mode, moderiert von Corinne Thepaut-Cabassat (Château de Versailles), Vorsitzende von COSTUME, und abermals Melissa Rinne. Tiina Kul vom estnischen Nationalmuseum, Chih-I Lai vom Nationalen Palastmuseum in Taipeh, Katarina Nina Simončič von der Universität Zagreb, die Szenografin Anika Ohlerich aus Amsterdam, Hsiang-Yin Chen vom Museum of Fiber Arts in Taichung und Tatjana Mikulic vom Ethongrafischen Museum in Belgrad stellten in ihren Beiträgen Beispiele von Textilien, textiler Kunst und Schmuck vor, durch die Zugehörigkeit, Überzeugungen oder Herkunft kommuniziert wurde. Tiina Kul beispielsweise präsentierte ihre Forschung über Callimanco-Gewebe aus dem englischen Norwich, die im 18. Und 19. Jahrhundert eine essentielle Rolle in der traditionellen estnischen Kleidung einnahmen und deren bunte Streifen heute zum visuellen Erbe Estlands gehören. Über interkulturelle Verknüpfungen durch Textilien sprach auch Chi-I Lai, bei der es um Textilien aus dem japanischen Okinawa ging, die durch ihre räumliche Nähe zu Taiwan auch dort über Jahrhunderte einen Einfluss auf die visuelle Kultur nahmen. Katarina Nina Simončič besprach die Arbeit des Modelabels SOLL, das an der Schnittstelle zwischen digitalem Code und Design stattfindet. Anika Ohlerich und Hsiang-Yin Chen teilten mit dem Publikation interessante Konzepte in der Vermittlung und Szenografie: Anika Ohlerich stellte eine Szenografie für außergewöhnlich kleine Schmuckstücke im Rijksmuseum van Oudheden in Leiden vor und Hsiang-Yin Chen sprach über neue Möglichkeiten der Vermittlung traditioneller Webtechniken, etwa durch eine 16-jährige Weberin, die den Kongu-Webstuhl als „kulturellen USB-Stick“ zur Weitergabe von Familienwissen begreift.

Das Programm von ICOM DESIGN auf der 27. Generalkonferenz von ICOM in Dubai wurde am 15. November mit dem Exkursionstag abgeschlossen, bei dem die ICOM-Mitglieder das kunsthandwerkliche Erbe von Dubai erlebten. Dazu besuchte die Gruppe zunächst das historische Al-Fahidi-Viertel mit dem Bait Al Khanjar Dagger Museum und dem Kaffee-Museum und lernte die kunsthandwerkliche Tradition der Dolch-Herstellung sowie des Kaffeehandels auf der arabischen Halbinsel kennen. Im Kaffeemuseum wurden die Mitglieder mit zahlreichen deutschsprachigen Exponaten überrascht und lernten vom Museumsdirektor Khalid Al Mulla, dass er Teile einer Hamburger Kaffeesammlung erworben hat. Am Nachmittag besuchten die Mitglieder einige Ausstellungen im Al Shindagha Museum, in denen es um die Entstehung von Dubai, die Tradition der Parfumherstellung und des Perlentauchens im Persischen Golf ging. Der Tag wurde begleitet von einem traditionellen Mittagessen und Abendessen, die zum angeregten Austausch der internationalen Mitglieder untereinander genutzt wurden.

Gruppe von Menschen sitzt im Kreis auf Sitzkissen in einem Raum mit traditionellen Teekannen und einem großen geflochtenen Korb auf einem Teppich
Führung durch das Kaffeemuseum durch Khalid Al Mulla, Foto: ICOM DESIGN

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