ICOM Deutschland unterstützt Bauhaus-Manifest
Anlässlich der Unterzeichnung des Bauhaus-Manifestes, einem breiten Bündnis aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur und Kirchen, das ein Zeichen für Freiheit, Offenheit und Kreativität setzt, veröffentlichte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien eine Pressemitteilung. Das Bauhaus-Manifest wurde auf Initiative von Staatsminister Weimer von Verbänden und Institutionen gemeinsam unterzeichnet. ICOM Deutschland unterstützt das Bauhaus-Manifest, unterzeichnet durch den Präsidenten Paul Spies.

Pressemitteilung
Bauhaus-Manifest – Breites Bündnis aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur und Kirchen setzt Zeichen für Freiheit, Offenheit und Kreativität
Auf Initiative von Staatsminister Weimer haben Verbände und Institutionen aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur sowie Kirchen gemeinsam das Bauhaus-Manifest 2026 unterzeichnet.
Das Manifest versteht sich als ein aktuelles kultur- und gesellschaftspolitisches Bekenntnis zu den Prinzipien, die das Bauhaus bis heute zu einer weltweit prägenden kulturellen Ikone machen: Die Freiheit des künstlerischen Denkens, Offenheit gegenüber neuen Ideen, die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen und die Überzeugung, dass kulturelle Innovation einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft leisten kann.
Gleichzeitig ist das Manifest ein Plädoyer dafür, die Prinzipien des Bauhauses gegen demokratiefeindliche Angriffe zu verteidigen.
Zu den Unterzeichnern gehören:
- Akademie der Künste: Prof. Manos Tsangaris, Präsident der Akademie der Künste
- Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien: Dr. Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien
- Bundesarchitektenkammer: Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer
- Deutsche Bischofskonferenz: Dr. Gerhard Feige, Bischof des Bistums Magdeburg
- Deutsche UNESCO-Kommission: Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission
- Deutscher Designtag: Boris Kochan, Präsident Deutscher Designtag e.V.
- Deutscher Kulturrat: Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat e.V.
- Deutscher Museumsbund: Menekse Wenzler, Präsidentin Deutscher Museumsbund e.V.
- Deutscher Städtetag: Burkhard Jung, Präsident des Deutschen Städtetages
- Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: Prof. Dr. Meike Hopp, Vorständin Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
- Evangelische Kirche in Deutschland: Karsten Wolkenhauer, Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts
- German Design Council – Rat für Formgebung: Lutz Dietzold, Geschäftsführer des German Design Council – Rat für Formgebung
- ICOM Deutschland: Paul Spies, Präsident ICOM Deutschland e.V.
- Zentralverband des Deutschen Handwerks: Holger Schwannecke, Generalsekretär Zentralverband des Deutschen Handwerks
Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet. Nach seiner Vertreibung aus Weimar wurde es 1926 – vor genau 100 Jahren – in Dessau wieder eröffnet. 1933 – inzwischen nach Berlin umgezogen – musste es unter dem Druck der Nationalsozialisten endgültig schließen. Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau sind UNESCO-Welterbe.
Wir laden dazu ein, das Bauhaus-Manifest 2026 zu unterstützen und gemeinsam ein Zeichen für Freiheit, Offenheit und Kreativität zu setzen.
Wer das Manifest unterstützen möchte, kann sich hier informieren und seine Unterstützung erklären: https://adk.de/bauhaus-manifest-2026
Bauhaus-Manifest 2026
Vor hundert Jahren revolutionierten moderne Bewegungen die Welt. Das Bauhaus war einer der wesentlichen Akteure. Die neuartige Verbindung von Kunst und Handwerk, Gestaltung und Technik, von Design und Architektur, von gesellschaftlicher Verantwortung und ästhetischer Innovation wurde zu einem der bedeutendsten kulturellen Projekte der Moderne.
Die enorme internationale Wirkung des Bauhauses, heute UNESCO-Welterbe, beruht jedoch nicht allein auf moderner Formensprache und Avantgarde-Design. Es ist seine Haltung, die Vorbildcharakter hatte und weiterhin hat: der Mut zur kühnen Vision, das Vertrauen in die Freiheit des künstlerischen Denkens, die Überzeugung, dass nur eine offene Gesellschaft die Kraft zur kulturellen Erneuerung aufbringt.
Heute, genau hundert Jahre danach, wollen wir das Bauhaus gegen populistische Angriffe verteidigen. Den gesellschaftspolitischen Impetus der Bauhaus-Vordenkerinnen und Vordenker brauchen wir gerade in Zeiten, in denen die politischen Ränder erstarken und Rückschritt statt Fortschritt propagieren. Wir brauchen sie auch angesichts der großen Reformen, die notwendig sind, um unser Land zum Positiven zu verändern. Hier steht das Bauhaus exemplarisch für das Vertrauen in die gesellschaftliche Strahlkraft kultureller Innovationen: als Paradigma eines demokratisch grundierten, humanistisch orientierten Gestaltungskonzepts.
Deshalb bekennen wir uns zu folgenden Grundsätzen:
1. Bekenntnis zum Bauhaus
Wir sind stolz auf das Bauhaus. Es hat gesellschaftspolitisch gewirkt und die ästhetische Moderne weltweit bereichert. Die Bauhaus-Institutionen sollen gestärkt, ihre kreative Freiheit wie ihre soziale Öffnung als Vorbild begriffen und gegen jedwede demokratiefeindlichen Angriffe verteidigt werden.
2. Kulturbauten stiften Identität
Schlösser und Burgen, Kirchen, Klöster und Landschaftsparks, aber auch andere kulturhistorische Ikonen sind wie die Bauhaus-Architektur sichtbare Zeugnisse unserer Geschichte und unserer kulturellen Identität. Erkennen wir an, dass Architektur und Design gesellschaftliche Wirklichkeit gestalten. Geben wir Kulturbauten und öffentlichen Räumen den Schutz und die Wertschätzung, die sie als Orte der Begegnung, des Austauschs und der freien Entfaltung verdienen.
3. Erinnerung ist die Grundlage unserer Zukunft
Das Beispiel des Bauhauses und seiner Anfeindungen durch das Nazi-Regime mahnt uns, dass Erinnerungskultur keine nostalgische Rückschau ist, sondern eine Voraussetzung demokratischer Selbstverständigung. Stellen wir uns unserer Geschichte, um Orientierung für die Gegenwart zu schaffen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Unterstützen wir deshalb Kulturinstitutionen, die dieses Gedächtnis bewahren und Räume der konstruktiven Auseinandersetzung eröffnen.
4. Kulturinstitutionen sind ein kritisches Korrektiv
Kulturelle Institutionen tragen zum öffentlichen Diskurs bei und können ein wichtiges kritisches Korrektiv sein. Die Autonomie künstlerischer Leistungen und Institutionen gehört zu den Grundbedingungen einer lebendigen Demokratie. Stärken wir daher Theater, Museen, Bibliotheken, Konzerthäuser und andere Kulturorte als Räume des Perspektivwechsels, des Widerspruchs und des demokratischen Dialogs. Sichern wir ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber parteipolitischen Interessen und Einflussnahmen.
5. Auf dem Weg zum synergetischen Denken und Handeln
Es ist ein Grundgedanke des Bauhauses, schöpferische Ideen, wagemutige Forschung, handwerkliche Exzellenz und technologische Innovation synergetisch zusammenzuführen. Integration führte damals zu Innovation und Weltruhm. Fördern wir deshalb ganzheitliches visionäres Denken, disziplinübergreifendes Arbeiten sowie die Verbindung von Kunst, Architektur, Handwerk, Design und Technologie als Grundlage des kulturellen wie gesellschaftlichen Reichtums.
6. Weltoffenheit statt Nationalismus
Das Bauhaus steht für eine geistige, soziale wie ästhetische Offenheit und kontinuierliche Erneuerung. Es steht für Austausch, transnationale Vernetzung und wechselseitige Inspiration. Diese Offenheit ist eine große Stärke deutscher Kultur und bereichert Deutschland. Kulturfeindlichen Nationalismus lehnen wir ab.
Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
Potsdamer Platz 1
10785 Berlin
Tel. +49 30 18 681-43333
Fax +49 30 18 681-55366
presse@bkm-info.bund.de
www.kulturstaatsminister.de
www.bundesregierung.de
Bauhaus-Gebäude in Dessau-Roßlau, Sachsen-Anhalt, Deutschland - Foto: A.Savin