Teilnahmebericht an der ICOM-CC 21st Triennial Conference Oslo

6. Oktober 2026

„Cultural Connections in Conservation“ war das Motto der 21. Triennial Conference des International Council of Museums – Committee for Conservation (ICOM-CC). Alle drei Jahre treffen sich hierbei Menschen aus der ganzen Welt, die in ihrem beruflichen Alltag durch Konservierung und Restaurierung zum Erhalt von Kunst- und Kulturgut beitragen, um sich fachlich auszutauschen, zu vernetzen und aktuelle (Forschungs-)Themen zu diskutieren. Die Konferenz fand in diesem Jahr vom 14. bis 18. September in Oslo statt und zog Teilnehmende aus 72 Ländern an. Mit über 1.070 Teilnehmenden war es zugleich die größte ICOM-CC-Konferenz, die bisher stattgefunden hat. Zur Diskussion standen unter anderem folgende Fragen: Wie kann die Restaurierung neue fachliche Verbindungen aufbauen und bestehende erneuern, um globalen Herausforderungen zu begegnen? Wie lässt sich zwischen vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Deutungen und Nutzungen materieller Kultur vermitteln? Und wie kann die Disziplin zu Diversität, interkulturellem Austausch und der Verständigung zwischen den Generationen beitragen?

Reisebeihilfe ermöglicht Teilnahme
Lea Vieler (Restauratorin für Gemälde und zeitgenössische Kunst) und Moritz Geissmann (Restaurator für Gemälde und Skulpturen) konnten dank der Reisebeihilfe von ICOM Deutschland ebenfalls nach Oslo reisen. Beide stellten dort eigene Forschungsarbeiten vor: Lea Vieler in der Working Group Art Technological Source Research mit ihrem Beitrag „The impact of White: The introduction of titanium dioxide pigments in artists‘ paints as evidenced in German paint manufacturers‘ archives“ und Moritz Geissmann in der Working Group Paintings mit „More than bubbles! Evaluation of an innovative foam-based cleaning method for paintings: Enhancing effectiveness while reducing water and mechanical impact”.

Triennial Lecture, Keynotes und Vorträge
Durch die zahlreichen Beiträge zu den unterschiedlichsten Themen der Konservierung und Restaurierung sowie durch das begleitende Rahmenprogramm konnte im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt neue fachliche Verbindungen aufgebaut, lokale als auch globale Herausforderungen adressiert und diskutiert werden. Hierzu zählen ebenso Perspektiven auf immaterielles Kulturgut als auch Herausforderungen wie den Klimawandel und politische Instabilität.

Diese Themen prägten bereits den Eröffnungsbeitrag von Antoine Wilmering, der nach den Folgen eines sich stark verändernden Klimas und zunehmender Großbrände nach der Sicherheit unserer Sammlungen sowie unsere Art des Sammlens hinterfragte. Juanita Kelly-Mundine thematisierte die Bewahrung immaterieller Aspekte physischer Kulturgüter und deren Erfahrbarkeit und Weitergabe in Sammlungen. Gaël de Guichen wiederum setzt sich seit Jahren für eine Vereinheitlichung der Terminologie ein: Ein gemeinsames Verständnis davon, was Konservierung und Restaurierung überhaupt bezeichnen, ist die Voraussetzung für Verständigung über Sprach- und Ländergrenzen hinweg und damit selbst ein Beitrag zur kulturellen Annäherung.

Wie solche Verbindungen konkret aussehen können, zeigte der Beitrag von Kendall Francis vom Yale Center for British Art. Das Gemälde „The Island of Barbados“, um 1694 und Isaac Sailmaker zugeschrieben, gilt als früheste bekannte Darstellung der Insel und dokumentiert die von versklavten Menschen getragene Zuckerwirtschaft unter britischer Kolonialherrschaft. Die drei ältesten erhaltenen Panoramen der Insel befinden sich heute in Yale, beim National Trust und im Barbados Museum and Historical Society. Die Erfoschung und Konservierung erfolgt institutionsübergreifend.

Technical Visits
Neben dem vielfältigen Vortragsprogramm konnten Teilnehmende am Mittwochnachmittag an einem Technical Visit teilnehmen. Aus einem vielfältigen Angebot, welches neben Einblicke in verschiedene Institutionen auch Workshops und Exkursionen in die Umgebung von Oslo anbot, konnte gewählt werden. Moritz Geissmann entschied sich für die Teilnahme an „Behind the scenes of The Munch Museum“. Hierbei gab es Einblicke in die verschiedenen Konservierung- und Restaurierungsateliers des 2021 eröffneten Neubaus des Munch Museums. Besonders beeindruckt hat das vollautomatisierte Lagersystem für Graphiken und Papier.

Lea Vieler nahm an dem Technical Visit „Norwegian Pigment Histories: Cobalt Blue and Titanium White” teil. Nach einer ca. zweistündigen landschaftlich eindrucksvollen Fahrt erreichte die Gruppe die westlich von Oslo gelegene Kobaltmine „Blaafarveværket“.

Nach einer Stärkung durch norwegischen Lefse, konnten die Teilnehmenden in einem Workshop mit viel Feingehfühl selbst Smalte herstellen sowie an einer spannenden Führung in die Weiten der Kobaltmine teilnehmen.

Die Technical Visits erweiterten das dichte Tagungsprogramm um spannende Einsichten hinter die Kulissen, gaben Einblicke in die (Kultur-)Geschichte Norwegens und ermöglichten den Austausch und das Bilden von „Cultural Connections“ von Teilnahmenden in einem kleineren Rahmen.

Autoren*inneninformationen
Lea Vieler ist wissenschaftliche Volontärin der Restaurierung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Zuvor schloss sie ihr Studium am Cologne Institute of Conservation Sciences mit ihrer Masterarbeit „Titanweiß in Archivalien deutscher Pigment- und Künstlerfarbenhersteller in der Zeit um 1920 – 1950“ im Jahr 2024 ab.

Moritz Geissmann ist seit 2026 Gemälderestaurator am Museum für Hamburgische Geschichte. Er schloss seine Masterarbeit am Cologne Institute of Conservation Sciences, TH Köln mit einer Arbeit Schaumereinigung für Gemälden ab. 

Triennial Lecture from Antoine Wilmering Oslo Congresscenter 14.09., Foto: Lea Vieler und Moritz Geissmann

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